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ADI Predictstreet: Deutsche Glücksspielaufsicht untersucht Werbung bei der WM 2026
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat ein Prüfverfahren gegen den Prognosemarkt-Anbieter ADI Predictstreet eingeleitet. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie das Angebot nach deutschem Glücksspielrecht einzuordnen ist und ob die während der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 sichtbare Werbung mit den geltenden Vorgaben vereinbar ist.

Der Fall sorgt vor allem deshalb für Aufmerksamkeit, weil ADI Predictstreet als offizieller Partner der FIFA während des Turniers eine hohe Reichweite erhält. Das Logo des Unternehmens ist auf LED-Banden, bei Pressekonferenzen und in weiteren offiziellen WM-Umgebungen zu sehen.
Warum die GGL aktiv geworden ist
Nach Angaben der deutschen Glücksspielaufsicht verfügt ADI Predictstreet derzeit über keine deutsche Glücksspiellizenz. In Deutschland gelten für Glücksspielwerbung besondere Vorgaben, insbesondere wenn sich Angebote an Spieler im deutschen Markt richten oder hier zugänglich sind.
Die Behörde prüft nun, ob das Geschäftsmodell von ADI Predictstreet unter die Regelungen des Glücksspielstaatsvertrags fällt. Parallel wird bewertet, ob die Sichtbarkeit des Sponsors während der WM-Übertragungen als Werbung für ein nicht in Deutschland lizenziertes Angebot einzustufen sein könnte.
Besonders relevant ist dabei, ob deutsche Nutzer die Plattform tatsächlich erreichen und aktiv nutzen können. Erst nach Abschluss der Prüfung lässt sich beurteilen, ob ein regulatorischer Verstoß vorliegt.
Was genau sind Prognosemärkte?
Prognosemärkte gelten als eine vergleichsweise neue Form digitaler Wettmärkte. Nutzer können dabei auf den Ausgang unterschiedlichster Ereignisse spekulieren und entsprechende Positionen kaufen oder handeln.
Die Themen reichen von Sportereignissen über politische Wahlen bis hin zu wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Entwicklungen. Anders als klassische Sportwetten werden dabei häufig Märkte auf Ereignisse angeboten, die weit über den Sport hinausgehen.
Genau diese Besonderheit führt weltweit zu Diskussionen. Während Prognosemärkte in einigen Ländern als Finanzprodukt betrachtet werden, ordnen viele europäische Regulierungsbehörden solche Angebote eher dem Glücksspielsektor zu.
ADI Predictstreet weist Vorwürfe zurück
Das Unternehmen sieht nach eigenen Angaben keinen Verstoß gegen deutsches Recht. ADI Predictstreet betont, dass keine gezielten Marketingmaßnahmen für Deutschland durchgeführt würden.
Die Sichtbarkeit während der Weltmeisterschaft sei vielmehr das Ergebnis internationaler Sponsoring- und Medienrechtsvereinbarungen im Zusammenhang mit der FIFA-Partnerschaft. Aus Sicht des Unternehmens richtet sich die Werbung nicht speziell an deutsche Verbraucher.
Ob diese Argumentation regulatorisch Bestand haben wird, bleibt Teil der laufenden Prüfung.
Die Rolle der FIFA-Partnerschaft
ADI Predictstreet wurde im Frühjahr 2026 als offizieller FIFA-Partner für den Bereich Prediction Markets vorgestellt. Die Kooperation sollte nach Angaben der Beteiligten neue Möglichkeiten für Fan-Interaktionen schaffen und innovative Formen der Beteiligung an Sportereignissen fördern.
Seit Beginn der Weltmeisterschaft ist die Marke regelmäßig in den Stadien und TV-Übertragungen präsent. Genau diese starke öffentliche Wahrnehmung hat die Diskussion über die regulatorische Einordnung des Angebots zusätzlich verstärkt.
Die FIFA selbst hat sich bislang nicht ausführlich zu den laufenden Prüfungen geäußert.
Welche Folgen könnte die Untersuchung haben?
Derzeit befindet sich das Verfahren noch in einem frühen Stadium. Die GGL hat bislang keine abschließende Bewertung veröffentlicht und das Ergebnis der Prüfung bleibt offen.
Sollte die Behörde zu dem Schluss kommen, dass das Angebot von ADI Predictstreet unter die deutschen Glücksspielvorschriften fällt und entsprechende Anforderungen nicht erfüllt werden, könnten verschiedene regulatorische Maßnahmen in Betracht kommen. Dazu zählen beispielsweise Anordnungen zur Anpassung des Angebots, Vorgaben für die Vermarktung oder weitere aufsichtsrechtliche Schritte.
Ebenso könnte die Frage der Werbepräsenz während der WM-Übertragungen eine Rolle spielen, insbesondere im Hinblick auf die Sichtbarkeit von internationalen Wettanbietern, die nicht über eine deutsche Lizenz verfügen. Welche Konsequenzen sich daraus ergeben könnten, hängt jedoch von den Ergebnissen der laufenden Prüfung ab.
Prognosemärkte rücken europaweit stärker in den Fokus
Der Fall ADI Predictstreet ist Teil einer größeren regulatorischen Entwicklung. In mehreren europäischen Ländern beschäftigen sich Behörden derzeit mit der Frage, wie Prognosemärkte rechtlich einzuordnen sind.
Die zentrale Herausforderung besteht darin, die Grenze zwischen Finanzinstrumenten, Handelsplattformen und Glücksspielangeboten klar zu definieren. Da die bestehenden Gesetze ursprünglich nicht für moderne Prognosemärkte entwickelt wurden, entstehen zunehmend rechtliche Grauzonen.
Für Anbieter, Regulierungsbehörden und Nutzer dürfte die weitere Entwicklung daher richtungsweisend sein.
Prognosemärkte finden auch bei Sportwetten-Anbietern Anwendung
Während Prognosemärkte häufig mit spezialisierten Plattformen in Verbindung gebracht werden, finden sich entsprechende Bereiche inzwischen auch bei einigen etablierten Wettanbietern. So bieten beispielsweise Rooster.bet und N1Bet neben klassischen Sportwetten eigene Kategorien für Prognosemärkte an, in denen Nutzer auf politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Ereignisse spekulieren können.
Die regulatorische Behandlung solcher Angebote dürfte in den kommenden Jahren ein zunehmend wichtiges Thema für die gesamte Branche bleiben.
Fazit
Die Prüfung gegen ADI Predictstreet verdeutlicht, dass Prognosemärkte zunehmend in den Fokus europäischer Regulierungsbehörden rücken. Da sich dieses Marktsegment zwischen klassischen Sportwetten, Finanzmärkten und neuen digitalen Handelsmodellen bewegt, bestehen in vielen Ländern weiterhin unterschiedliche rechtliche Auffassungen über die Einordnung solcher Angebote.
Während ADI Predictstreet sein Angebot als international ausgerichtete Prognoseplattform positioniert, untersucht die deutsche Glücksspielaufsicht, wie das Geschäftsmodell und die damit verbundene Werbung nach deutschem Recht zu bewerten sind.
Eine abschließende Entscheidung liegt bislang nicht vor. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens dürfte der Fall jedoch aufmerksam verfolgt werden, da er weitere Hinweise darauf geben könnte, wie Prognosemärkte künftig in einzelnen europäischen Märkten reguliert und behandelt werden.










